Bye Bye Irland

Freitag

Das ich noch ein Hochkreuz bei Moone ansehen wollte, aber nicht gefunden habe – lasse ich weg.

Das es nicht so einfach ist eine Tankstelle am Flughafen zu finden – lasse ich weg.

Das der Mann an der Rücknahme des Mietwagens gnädig war – habe ich schon erwähnt.

Das wir erst mit 30 Minuten Verspätung starten konnten, weil der Flughfen Dublin überfordert war – sehe ich großzügig drüber weg.

Und das mir Dublin Flughafen im Regen den Abschied nicht ganz so schwer machte – ist nett von ihm.

Flughafen im Regen.

Flughafen im Regen.

Das war’s von mir. Es war eine prall gefüllte Zeit mit vielen Eindrücken und sehenswerten Orten. Das muss ich erst mal in aller Ruhe zuhause Revue passieren lassen.

Ich hoffe mein Blog hat euch gefallen – zugegeben, manchmal war es ganz schön anstrengend tagsüber so viele Eindrücke zu sammeln und abends alles “in den Computer” zu tippen. Aber es hat auch Spass gemacht.

Denn alles Gute und bis zur nächsten Reise.

Kells und weitere spontane Ausflüge

Freitag

Der Himmel wurde wieder dunkler. Aber bis Kells waren es nur 15 Minuten. Kells in der Nähe von Kilkenny ist nicht zu verwechseln mit Kells nordwestlich von Dublin.

Ersteres ist die besagte Ruine der Augustiner, die hier im 13. Jh. gegründet wurde. Allerdings soll es schon seit 1183 eine Kirche gegeben haben. Das andere Kells war das Koster in dem das Book of Kells bis 1652 aufbewahrt wurde und wahrscheinlich teilweise dort entstanden ist. Heute ist es eine der Hauptattraktionen von Dublin.

Mauer mit Wachtürmen aus dem 15. Jh.

Mauer mit Wachtürmen aus dem 15. Jh.

Kells Priory bei Kilkenny sieht erst mal aus wie eine Burg. Es liegt in einer Mulde und wird von einer Mauer umgeben, auf der man mindestens fünf Wachtürme ausmachen kann. Diese Mauer soll erst im 15. Jh. erbaut worden sein. Weit dahinter sieht man ein Gewirr aus Mauerresten. Ein Kirchenschiff ist rudimentär zu erkennen, daneben steht ein Gebilde wie ein Towerhouse, was wohl mal die Unterkunft des Abtes war – ach nein, sorry des Priors? Ich konnte die Fragestellung noch nicht befriedigend lösen: ich habe nur für die Dominikaner, die Karmeliter und die Karthäuser eine ausdrückliche Aussage gefunden, das es dort nur den Prior und keinen Abt gab. Für die Augustiner konnte ich nur eine Liste der Großpriore auftreiben, was mich zu der Erkenntnis drängt, das sie das Amt des Abtes nicht hatten. Somit wäre die Priory also nicht zweitrangig sondern mit einer Abbey gleichwertig. Bei den Steinmassen die hier noch zu finden sind, war das keine kleine Anlage, auch wenn es heute eher wie ein marodes Gebiss aussieht.

Marode Mauern

Marode Mauern

Kells Priory

Kells Priory

Die Größe ist beeindruckend, die Stimmung eher deprimierend. Ich erinnere mich, oben am Parkplatz ein Hinweisschild gesehen zu haben: Kilree Monastic Site 2km. Vielleicht fahre ich da noch schnell hin, vielleicht ist es da schöner.

Auf dem Weg dahin ereignete sich die Szene, die ich im Zwischenstand erwähnt habe: drei Jagdhunde, grüßende Männer, beginnender Regen, schalten usw. Kurz darauf gab es einen Parkstreifen und den Rundturm, der auf eine ehemalige Klosteranlage hinweist. Allerdings war noch ein prüfender Blick angeraten, ob auch kein Vieh auf der Weide ist.

Ein kurzer Weg bis zum Rundturm, der lang werden kann wenn sich der Bulle gestört fühlt.

Ein kurzer Weg bis zum Rundturm, der lang werden kann, wenn sich der Bulle gestört fühlt.

Denn einem ausgewachsenen Bullen wollte ich so kurz vor zuhause nicht über den Weg laufen. Aber die Weise war leer. Unter den Bäumen gab es einen kleinen Friedhof, die Reste einer kleinen, einschiffigen Kirche und den Rundturm ohne Dach. Hier soll die hl. Brigid im 6. Jh. ein Kloster gegründet haben. Die heutigen Reste datieren eher aus dem 10. Jh. Ein Stück weiter steht ein Hochkreuz aus dem späten 8./ frühen 9. Jh. Es ist reich verziert mit Flechtwerk. Das ich noch vier biblische Szenen auf einem der Kreuzarme hätte entdecken können, geht im stärker werdenden Regen unter. Es waren angeblich auch eher Miniaturen.

Hochkreuz und Rundturm

Hochkreuz und Rundturm

Der Rundturm wird noch in bewährter Foto-unter-dem-Schirm-Methode fotografiert, dann zurück zum Auto und ab Richtung Flughafen.

Letztes Foto unterm Schirm.

Letztes Foto unterm Schirm.

Letzter Tag – Jerpoint Abbey

Freitag

Da mein flug erst um 17:40h war, konnte ich mir Zeit lassen. Erst gemütlich Frühstücken, dann fertig packen. Um kurz vor 10h dann nur über die Straße zur Jerpoint Abbey. Ja, wieder Zisterzienser. Ich frage nach einer Führung und habe Glück. Um 10h geht es los, ich mit zwei weiteren Gästen, die auch im Abbey House übernachtet haben und einer gut verständlichen Führerin. Das Wetter hält noch, obwohl es nicht ganz so gut angesagt ist.

Jerpoint weist natürlich die klassischen Merkmale von Zisterzienserklöstern auf, wie der Trennung zwischen den Mönchen und den Laien, der Kapitelsaal, die Küchenanlage usw. Allerdings hat sie einen unvergleichlichen Reichtum an Steinarbeiten und Skulpturen der für eine Klosterruine bemerkenswert ist. Außerdem ist es unüblich für die Zisterzienser, die sich ja von den Benediktinern rausgelöst hatten, weil diese so lasch waren. Die Zisterzienser wollten härter und strenger leben. Neben Arbeit, Beten, dürftiger Ernährung und Bestrafungen bei Regelübertretungen war auch der regelmäßige ,vier mal im Jahr, zu vermerken, berichtet die Führerin.

Im späten 13./frühen 14. Jh. wurde die Ausschmückung des Klosters wohl üppiger. Vermutungen gehen dahin, das das die Attraktivität für Interessierte steigern sollte – die rigiden Regeln der Zisterzienser waren wohl etwas out geworden und es gab ja genug Konkurrenz. Irgendwo habe ich gelesen, das es zur Blütezeit ca. 400 Klöster gegeben haben soll – was mir etwas wenig vorkommt. Aber trotzdem: wenn man bedenkt wie viele ich in den zwei Wochen gesehen habe, ohne zu zählen – keine 20? Das wären gerade mal 5%.

Nach 45 Minuten war die Führung zuende und ich hatte noch genügend Zeit schöne Fotos zu machen.

Dann ab ins Auto und nach Kells. Natürlich hatte ich die Augustiner nicht ad acta gelegt. Und von der Führerin musste ich mich unter hoch gezogener Augenbraue verbessern lassen: nicht Kells Abbey …. Kells Priory. Und ich dachte das mit den Klöstern sei unkompliziert. Das Internet hilft wieder: eine Priorei wird von einem Prior geführt im Gegensatz zu einer Abtei die von einem Abt geführt wird. Ist doch eigentlich logisch. Wobei der Abt höher steht als der Prior, womit ausgedrückt wird, das eine Abbey auch wichtiger ist wie eine Priory – da ist schon mal eine hochgezogene Augenbraue drin. ABER es gibt auch Orden die von Haus aus das Amt des Abtes (oder Äbtissin) nicht haben, dort ist das höchste Amt das des Priors (oder Priorin). Also Zisterzienser hatten den Abt, aber wie war das bei den Augustinern …. ?

Egal erst mal ein paar Eindrücke von Jerponit:

 

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Zierband

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Reste von Fresken.

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Von links: Katharina (mit dem Rad), der heilige Geist (bringt Seele in den Himmel) und Margarethe (mit dem Wurm bzw. Drachen).

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Apostel

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Christopherus trägt das Jesuskind durch das Wasser.

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Schweinchen

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Blick vom ehemaligen Dormitorium auf Kreuzgang und Kirchenschiff.

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Vierung

Skulpturen im teilrestaurierten Kreuzgang

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Slievenamuck und Holycross

Donnerstag

Da der Wetterbericht für heute gutes Wetter angesagt hatte, wollte ich nochmal wandern. Allerdings keine zu große Tour, da ich noch einiges zu fahren und natürlich auch Kirchenruinen auf dem Programm hatte.

Auf discoverireland(.)com findet man für ganz Irland Wandervorschläge. Vor allem gibt es ein “Looped Walks”-Programm. Das sind markierte Rundwanderwege, was für Mietwagenfahrer hilfreich ist, da sie da enden wo sie begonnen haben. Ich habe mir eine kleine Tour auf den Berg mit dem netten Namen “Slievenamuck” ausgesucht. Er ist direkt vis-á-vis der Galty Mountains, die als das höchste Binnengebirge Irlands gelten (Galteemore 919m).

Blick auf die Galty Mountains.

Blick auf die Galty Mountains.

Die Wanderung war ganz nett und abwechslungsreich, nur der letzte Teil des “Aufstiegs” ging über eine schnurgerade breite Schneise – in Italien sehen so die Brandschneisen aus. Neben jungen Fichtenwaldaufforstungen, gab es etwas Moor und Heide und auf dem “Gipfel” die Reste eines Dolmen und eine Picknickbank.

Breite Schneise.

Breite Schneise.

Dolmen

Dolmen

Picknickbank mit drohenden Wolken

Picknickbank mit drohenden Wolken

Für gutes Wetter hingen mir schon wieder verdächtig viele Wolken am Himmel, also nur ein kleiner Snack auf dem Hügel …. Berg (?) …

… OK, jetzt mal Butter bei die Fische: als in Süddeutschland lebender und alpenaffiner Mensch tue ich mich echt schwer, die Hügel von Irland “Berg” zu nennen – sorry ihr Berge von Irland. Also muss es jetzt sein, getreu dem Film “Der Mann der auf einen Hügel stieg und von einem Berg zurückkam” werde ich jetzt die Definition recherchieren!

….

Es gibt sie nicht. Und das in der reglementierungswütigen EU, ich könnte ja mal eine Petition einreichen. Also bleibt es weiter in meinem Ermessen.

Da lobe ich mir die eindeutigen Klosterruinen und machte mich sogleich auf den Weg eine weitere zu besichtigen, nachdem ich trocken bei meinem Auto angekommen war.

Holycross Abbey

Holycross Abbey

Die Holycross Abbey ist wieder ein ehemaliges Zisterzienserkloster. Sie lag nicht ganz auf meiner Strecke und ich musste einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Allerdings ist sie eine der wenigen Orte, wo die Kirche wieder in Betrieb genommen wurde und ich wollte mal sehen wie das dann wirkt. Ursprünglich wurde der Ort 1168 für die Benediktiner gestiftet, aber 1182 wurde es dann an die Zisterzienser übergeben. Wie der Name schon vermuten lässt, gab es hier eine Reliquie des heiligen Kreuzes und das Kloster war ein gut frequentiertes Pilgerziel. 1632 wurde die Reliquie zum letzten mal öffentlich gezeigt, danach wurde die Kirche von Cromwells Truppen zerstört und die Reliquie ging verloren. Allerdings gab es in den 1970er Jahren dann die Initiative, die Kirche für Gemeindezwecke wieder herzustellen. Zu den interessanten und schönen Aspekten gehören der überdachte Kreuzgang, die Kirche mit erhaltener Treppe zum ehemaligen Dormitorium und einige Steinskulpturen.

Überdachter Kreuzgang

Überdachter Kreuzgang

Steinskulptur

Steinskulptur

Steinskulptur

Steinskulptur

Treppe zum ehemaligen Dormitorium.

Treppe zum ehemaligen Dormitorium.

Ein paar Sachen haben mir nicht so gefallen. Wahrscheinlich da sie wieder für Gottesdienste verwendet wird, fand ich die Stimmung im Inneren eher drückend und eng. Möglich, das die Stimmung zur Blütezeit des Klosters genauso war. Bei den verlassenen Klosterruinen hat man mehr Spielraum für eigene Interpretation in der Richtung. Interessant waren auch die Fernseher im Seitenschiff. Da man von dort den Altar nicht sieht, wir das ganze per Videokamera auf die Fernseher übertragen.

Live-Übertragung ins Seitenschiff.

Live-Übertragung ins Seitenschiff.

Den Hammer fand ich aber den Meditationsgarten. Ich habe mir einen netten kleinen Garten wie einen zweiten Kreuzgang vorgestellt und kam erst mal auf eine große asphaltierte Fläche. Dahinter gab es ein liebloses Rasenkarree mit einer eckigen Glaskapelle darauf. Außenrum war ein asphaltierter Weg mit den Kreuzwegstationen und erst dahinter waren ein paar Sträucher und Bäume. Es gab keine Bänke zum Sitzen und die Lautsprecher auf Masten rundeten das Bild ungut ab.

Noch hatte ich Hoffnung, das hinter der Mauer ein Kleinod ruht.

Noch hatte ich Hoffnung, das hinter der Mauer ein Kleinod ruht.

Schon eine anspruchsvollerer Übung hier in einen meditativen Zustand zu geraten.

Schon eine anspruchsvollerer Übung hier in einen meditativen Zustand zu geraten. Vielleicht Schockstarre.

Bei einem Blick nach rechts blieb ich dann am heiligen Wasser hängen. Aus den verfallenen Nebengebäuden kommt irgendwo diese Leitung her. Der improvisierte Wasserhahn funktionierte tatsächlich. Abgerundet wurde das ganze durch ein lieblos darunter positioniertes Steinbecken.

Ohne Worte, Pragmatismus siegt.

Ohne Worte, Pragmatismus siegt.

Im Tearoom gab es dann noch einen Kaffee und ein Toastie (Toastbrot belegt nach Wunsch und dann als Ganzes getoasted).

Danach wollte ich eigentlich noch Kells ansehen – natürlich ein verlassenes Kloster. Allerdings zur Abwechslung mal die Augustiner und da ich mich ja auf der Zielgeraden für meinen Rückflug nach Bayern befinde, wäre das ja passend gewesen. Allerdings hatte ich keine Lust, schon wieder erst um 18h in B&B anzukommen. Also habe ich umdisponiert und war um 16:30h im … Abbey House B&B 😯 … direkt gegenüber der vielgerühmten Jerpoint Abbey!

Einfahrt zum Abbey House.

Einfahrt zum Abbey House.

Gutshaus des ehemaligen Mühlenbesitzers.

Gutshaus des ehemaligen Mühlenbesitzers.

Vielleicht sieht es auf dem Foto nicht so Charmant aus, war es aber. Mit einem stilvollen gelungenen Salon im EG und guten großzügigen Zimmern im OG. Hinter dem Haus ein Bach und die Ruine der Mühle.

Blick in den Garten.

Blick in den Garten.

Vorsortieren für den Flug.

Vorsortieren für den Flug.

Grange Stonecircle

Donnerstag

Um kurz nach neun war ich wieder am Steinkreis. Kein Mensch weit und breit, blauer Himmel und noch ein Rest von Morgenstimmung.

Grange Stonecircle

Grange Stonecircle

Im Visitor Center gestern, hat mir ein Mann vom Museum ein paar Sachen über den Steinkreis erzählt. An einer Stelle wurden und werden heute immer noch Gaben hinterlassen. Mir fällt gerade auf, das das englische Wort viel passender ist, als das deutsche. Im deutschen würde man eher Opfergaben sagen, im englischen heißt es offerings – also Angebote. Man macht also den Ortskräften ein Angebot und diese können darauf eingehen oder auch nicht. Ein Opfer oder eine Opfergabe hat da für mich schon einen leicht negativen Beigeschmack. Ich entdecke den Stein, der eigentlich aus drei aufeinandergelegten Steinen besteht, es liegt einiges an Kleingeld und weiter Gaben wie Mineralien und Schmuckanhänger drauf.

Ein anderer Stein soll heilende Kräfte haben. Man lehnt sich mit der Stirn und den beiden Handflächen gegen den Stein und lässt die Kräfte wirken.

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Der Steinkreis von Außen.

 

Auf dem Wall, das innere des Steinkreises ist links.

Auf dem Wall, das innere des Steinkreises ist links.

Außerdem wurden akkustische Versuche unternommen und innerhalb des Steinkreises war die Akkustik von Musik besser als außen. Die Steine wurden sicher nicht beliebig an ihren Platz gesetzt. Außer eine Ausrichtung auf Sonnen- oder Gestirnereignisse, die dann mit besonders geformten Steinen markiert wurden, spielt sicher auch die sonstige Qualität der Steine eine Rolle. Mir kommt ein Orchester in den Sinn, wenn da einer nicht richtig spielt klingt das Ganze nicht mehr schön. Wie ist das bei einem Steinkreis, der nicht mehr vollständig ist? Auch hier beim Grange Stonecircle sind zwar noch viele, aber nicht mehr alle vorhanden.

Im Internet habe ich eine Seite gefunden, wo sich jemand mit der Ausrichtung dieses Steinkreises nach dem Sonnenauf- oder -untergang beschäftigt hat. Es gibt an einer Seite der Anlage einen eindeutigen Zugang durch den Wall zum Kreis und er hatte vermutet, das eine der Sonnenwenden darauf ausgerichtet sein könnte. Als er aber am entsprechenden Tag (21.Juni) dort war, ging die Sonne weiter links, über einem sehr großen, markanten Stein auf. Andere hatten ihm erzählt, das der Sonnanaufgang über dem Zugang eher in der ersten Augusthälfte sei. Allerdings kann die Sonne nicht genau hinter den Steinen aufgehen, da hinter dem Steinkreis ein Hügel ist. Sie geht also hinter diesem Hügel auf, aber eben genau über dem markanten Stein bzw. dem Gang.

Der Zugang zum Steinkreis.

Der Zugang zum Steinkreis.

Lough Gur – ein magischer Ort

Mittwoch

Obwohl ich mir in Craggaunowen gemütlich Zeit gelassen habe, war vom Tag noch einiges übrig. Also weiter nach südosten an Limerick vorbei Richtung Bruff. Dort war mein nächstes B&B. Kurz vorher kommt man aber an Lough Gur vorbei. Das Wetter war gut, die Laune auch.

Lough Gur

Lough Gur

Lough Gur ist eine alte mythologische Landschaft. 6.000 Jahre Besiedelung lassen sich hier nachvollziehen. Obwohl ich zuerst am Grange Stone Circle vorbei kam – der angeblich größte in Irland – habe ich den überfüllten Parkplatz dort links liegen lassen und bin um den See herum zum Visitor Center gefahren. Von dort hat man mit den schönsten Blick auf den See. Fast halbmondförmig liegt er vor einem. Zur Rechten erhebt sich der Knockfennell, der interessantere ist aber links der Knockadoon. Bis 1847 war der Wasserspiegel des Sees noch gut 2m höher, dann hat man den See entwässert um Farmland zu gewinnen. Dabei hat man auf dem freigelegten Seegrund jede Menge archäologische Fundstücke entdeckt. Sofort wurden entsprechende Untersuchungen angsetzt. Aus fast allen Zeiten kann eine Besiedelungen nachgewiesen werden und die Funde im See lassen die Vermutung zu, das er für rituelle Zwecke genutzt wurde. Wahrscheinlich wurden sie als Opfergaben an den See oder den damit verbundenen Göttern dargebracht. Das beeindruckendste Stück ist ein großer runder Schild aus Bronze, der jetzt im Museum von Dublin zu bewundern ist, im Visitor Center gibt es aber einen Nachbau. So ist das etwas angelaufene Exponat in Dublin zwar das Original, das am Lough Gur zeigt aber, wie es zu seinen – im wahrsten Sinne des Wortes – Glanzzeiten ausgesehen hat. Leider habe ich kein Foto gemacht. Auch noch erwähnenswert: der linke Hügel, Knockadoon, war fast vollständig von Wasser umgeben, als der See noch seinen ursprünglichen Wasserspiegel hatte. Dadurch hatte er einen hohen natürlichen Schutz, weshalb hier die meisten Siedlungsreste gefunden wurden.

Eigentlich war das Wetter zu gut für Museum, da haben die hier allerdings eine priffige Idee. Es gibt einen Audioguide zur Geschichte am Lough Gur, den man bei einem kleinen Rundgang im Freien anhören kann. Der Weg führt an den freigelegten Fundamenten alter Farmhäuser vorbei auf einen kleinen Hügel mit schöner Sicht auf den See.

Lough Gur

Lough Gur

Der Knockadoon.

Der Knockadoon.

Gegen Ende werden noch jede Menge Geschichten und Mythen rund um den See erzählt. In der Ausstellung war ich dann trotzdem noch kurz. Es gibt ein paar Touch Screens wo der Grange Stonecircle oder ein Haus aus dem Neolithikum in 3D-Ansicht gezeigt wird. Und einige Exponate von den Fundstücken.

Lough Gur

Lough Gur

Jetzt war es 17h und ich dachte der Andrang an den Grange Stonecircle könnte etwas weniger geworden sein. Tatsächlich war nur noch ein Auto auf dem Parkplatz. Der Steinkreis ist, etwas unüblich, von einem kreisrunden Erdwall umgeben. Innen sind die Steine, die teilweise über den Erdwall hinausschauen, teilweise auch kleiner sind. Als ich auf dem Wall stehe, sehe ich, das zwei Jungs “am arbeiten” waren. Meine geomantischen Freunde werden verstehen was ich damit meine, meine nicht-geomantischen Freunde lasse ich im Dunkel – nur so viel, die “Arbeit” war nicht im materiellen Bereich.

Der Wall um den Grange Stonecircle - man beachte den blauen Himmel!

Der Wall um den Grange Stonecircle – man beachte den blauen Himmel!

Ich wollte sie nicht stören und blieb auf dem Wall, an ein Geländer gelehnt stehen. Dann habe ich mich zu einem Stein gesetzt an dem eine große Esche gewachsen ist. Bald kam der Impuls aufzustehen und was zu machen. Ich fing also an, auf dem Wall entgegen dem Uhrzeigersinn, den Steinkreis zu umrunden während die beiden Jungs mit dem Uhrzeigersinn agiert haben. Sie waren gerade fertig geworden und standen im Steinkreis. Sie schienen sich über das “Ergebnis” zu freuen. Ich hatte schon entschieden, heute keine weiteren Fotos zu machen und auch nicht in den Steinkreis zu gehen. Da mein B&B nicht weit weg war, wollte ich morgen noch mal kommen. Ich beendete meine Runde, als die ersten Tropfen fielen – gerade war es doch noch sonnig gewesen? Der Regen wurde schnell stärker und ich ging zum Auto, kurz später haben auch die Jungs den Steinkreis verlassen.

Bei kräftigem Regen fuhr ich das kurze Stück nach Bruff – wieder eine Ernüchterung: eine Hauptstraße die nicht sehr einladend aussieht, zwei Pubs bei denen man nicht weiß ob sie überhaupt noch geöffnet haben (in einem war ich später essen und es war gar nicht so schlecht) und berieselung über Lautsprecher bis 22h.

Kleiner Zwischenstatus

Hallöchen,

sitze gerade am Flughafen bei Kaffee und Muffin und freue mich über die schöne Welt moderner Telekommunikation … Hotspot mit dem eigenen Mobile kreieren und schon ist man unabhängig von W-Lan.

Ich werde die fehlenden Beiträge natürlich noch nachtragen, also die nächsten Tage nochmal vorbei schauen.

Kleiner Nachtrag zu Autofahren in Irland:

  • um Dublin herum ist der Verkehr natürlich ziemlich stark und die Streckenführung, vor allem am Flughafen, etwas chaotisch. Dummerweise muss man gerade da mit seinen Linksfahr-Künsten beginnen. Also hilft nur tiiiiieeeef durchatmen und los ….
  • Ein weiteres Problem habe ich noch nicht erwähnt: vielleicht kommt einem zwar nur ein Auto entgegen, gleichzeitig steht aber am linken Fahrbahnrand ein Mann mit drei Jagdhunden ohne Leine (die man ja nicht überfahren möchte), gleichzeitig nimmt man schon mal wahr, das ein Stück weiter ein weiteres Auto steht (offene Heckklappe mit drei Männern). Jetzt ist man gerade noch damit beschäftigt, das man dem einen Auto halb in die Büsche ausgewichen ist, dennoch Tempo weiter verringert wegen den Hunden, dabei erst den Gruß des entgegenkommenden Autofahrers und dann den des Hundehalters erwiedert, während es gerade anfängt zu regnen (der Mietwagen hat natürlich keinen Regensensor – also zwischen Grüßen noch Scheibenwischer bedienen). Inzwischen ist man so langsam geworden das man runter schalten muss, während schon wieder die drei Männer mit dem Auto grüßen (die wohl zu dem Mann mit den drei Hunden gehören und sich freuen das man sein Tempo verringert hat oder einfach so grüßen). Und bei all dem muss man noch die Landschaft im Auge behalten, weil da soll ja irgendwo ein Hochkreuz rum stehen …..
  • Die an der Autovermietung waren dann noch ganz nett: sie haben nur 15EUR für eine verlorene Radkappe berechnet und die Delle in der Felge ging kostenfrei durch – wie gesagt, es war ja schon eine drin gewesen

Towerhouses und Crannogs – gar nicht so schlecht zum Wohnen

Mittwoch

Es ist interessant, wie sich manche Themen plötzlich an einem Tag häufen.  Heute geht es schon langsam in die Zielgerade. Zwar führt die Route erst noch weiter südlich, aber auch schon nach Osten.

Erstes Ziel ist Dysert O’Dea. Dort gibt es ein Towerhouse zu besichtigen, außerdem ein Hochkreuz, eine Kirche, eine Quelle – und falls man wollte noch mindestens 20 weitere Stätten in der Umgebung, die irgendwie mit der älteren oder neueren Geschichte zu tun haben.

Beim Towerhouse ist das erste, das ich von innen sehe. Da ich von außen schon so viele gesehen und auch fotografiert habe, habe ich zumindest nicht daran gedacht auch das Towerhouse einmal zu fotografieren. Aber der Name sagt eigentlich schon alles. Ein grooßer viereckiger Kasten mit vier bis fünf Stockwerken und einigen wehrhaften Details. Ich bin ich überrascht über das Platzangebot. Auf jedem Stockwerk (ich glaube fünf) gibt es einen großen Raum und häufig noch eine kleine Kammer daneben. Auch Kamine sind vorhanden. Ok, enge Treppen, zugige Wände und sonstige Unannehmlichkeiten, aber eben besser als gedacht.

Eine Etage im Towerhouse.

Eine Etage im Towerhouse.

Dann bin ich munter über eine Wiese marschiert, immer auf der Hut keinen Kuhfladen zu erwischen. Mitten in der Wiese steht ein riesiges Steinkreuz. Interessant ist eine kleine Aushöhlung bei der unteren Figur. Wahrscheinlich musste man auf den Sockel steigen und mit der Hand rein greifen und dazu noch irgendwas sagen oder beten. Allerdings könnte es auch sein, das dort ein Stein in Handform zum herausnehmen war. Dieser diente dann für heilerische Zwecke. Von anderen Beispielen weiß ich, das solche Steine gerne mal für eine Nacht unter das Kopfkissen gelegt wurden und danach brachte man sie zurück. Aber hier ist es nur eine Vermutung.

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Das Hochkreuz

Das Loch im Bischof

Das Loch im Bischof

Das Kreuz von hinten

Das Kreuz von hinten

NIcht weit entfernt ist die Dysert O’Dea Abbey mit einem bekannten und oft abgebildeten romanischen Portal, das überdurchschnittlich gut erhalten ist.

Kirche mit Rundturm

Kirche mit Rundturm

Das romanische Portal

Das romanische Portal

Reichhaltige Verzierung

Reichhaltige Verzierung

Menschen- und Tierköpfe

Menschen- und Tierköpfe

Die Quelle habe ich mir auch noch angesehen, sie steht etwas verloren auf der gleichen Kuhweide wie da Kreuz, geschützt von einem Zaun, aber ohne weitere Einbindung in die Umgebung.

St. Tolas Well

St. Tolas Well

Die Quelle mit dem Schutzzaun

Die Quelle mit dem Schutzzaun

Eine kurze halbstündige Fahrt bringt mich zur Quin-Abbey. Wieder eine Klosterruine, aber von weitem wirkt sie sehr wuchtig. Die Infotafel zeigt, das an dieser Stelle vorher eine normannische Festung mit Rundtürmen an den vier Ecken gestanden hat. 1280 gebaut und wenig später von den Iren in Schutt und Asche gelegt. Erst 1433 haben die Franziskaner dann hier ihr Kloster errichtet. Die Grundmauern der Burg, vor allem der Türme, kann man heute noch ausmachen.

Quin Abbey, wuchtige Ansicht.

Quin Abbey, wuchtige Ansicht.

Auch heute noch wei eine Burg.

Auch heute noch wei eine Burg.

Reste des Rundturms der Festung

Reste des Rundturms der Festung

Der gut erhaltene Kreuzgang.

Der gut erhaltene Kreuzgang.

Dann weiter zum Craggaunowen Projekt. John Hurt, ein kunsthistorischer Berater beim Auktionshaus Sotherby’s, hatte die Idee die Geschichte Irlands erlebbar zu machen. Daher kaufte er dieses Land, auf dem sich schon ein Towerhouse befand. Er vollendete dessen Renovierung und baute in der Umgebung noch weiter Wohnformen der früheren Geschichte nach. Darunter eine Pfahlbausiedlung (Cranog) und ein Ringfort. Irgendwann hat er das ganze dem irischen Volk übergeben, was auch immer das heißen mag. Als Betreiber ist irgendwo der Hunt Museums Trust erwähnt.

Im Towerhouse von Craggaunowen

Im Towerhouse von Craggaunowen

Treppenhaus

Treppenhaus

Bankettsaal im EG des Towerhouses.

Bankettsaal im EG des Towerhouses.

Das ganze ist sehr schön angelegt und es gibt auch ein paar “lebende Exponate”. Heute war eine Spinnerin anwesend im Towerhouse und im Crannog ein Bewohner – ich würde mal eher sagen der Eisenzeit. Wobei der Crannog einen ganz heimeligen Eindruck gemacht hat. Der Boden eines nicht zu tiefen Sees wird mit allem möglichen Material gefüllt. Darin finden dann die Pfosten halt, die die eigentliche Plattform tragen. Oben entsteht eine ebene Fläche, die von einem Weidenzaun umgeben ist und in der, je nach Größe zwei bis drei Häuser stehen können. Die Häuser hatten neben einer Strohdeckung auch Seitenwänder aus einem Weidengeflecht/Ton-Gemisch. Geschützt wurde man durch das umliegende Wasser, es gab nur einen kleinen Zugang über einen Damm oder Steg.

Crannog von außen

Crannog von außen

Rundhaus mit Dachüberstand. Dadurch wird auch Lagerplatz geschaffen.

Rundhaus mit Dachüberstand. Dadurch wird auch Lagerplatz geschaffen.

Ein Rundhaus von innen.

Ein Rundhaus von innen.

Das Prinzip des Crannogs wurde bis ins 17. Jh. genutzt. Allerdings setzte sich in keltischer Zeit eher das Ringfort mit Erd- oder Steinwällen durch. Die Häuser wurden dann teilweise aus Stein errichtet.

Die modernere Ringfort-Variante.

Die modernere Ringfort-Variante.

Ringfort

Ringfort

Sehr spannend auch ein Schiff, das in einer Art Glashaus gezeigt wird. Es ist ein Projekt der 1970er Jahre und orientiert sich an den Erzählungen von St. Brendan’s Seefahrt, die dieser im 6. Jh. unternommen hat. Die historischen Erzählungen und übereinstimmungen mit alten Landkarten lassen vermten, das Brendan bereits Amerika entdeckt hat, weit bevor sich Columbus auf den Weg machte. Das Projekt der 1970er Jahre, unter Führung von Tim Severin, versuchte nun folgende Argumentation. Wenn man versucht das Schiff anhand der Beschreibungen in historischen Quellen nachzubauen und mit diesem heute die Überfahrt nach Amerika meistert, so ist es zumindest ein Beweis, das das möglich ist. Es war wohl nicht leicht, aber die Überfahrt ist gelungen. Unter dem Stichwort “The Brendan Voyage” müsste man mehr dazu finden.

The Brendan Voyage

The Brendan Voyage

Also hatte ich heute nicht nur mein erstes Towerhouse, sondern gleich zwei davon. Und da ich nach Craggaunowen noch zum Lough Gur gefahren bin, hatte ich auch die Stein-, Bronze-, Eisenzeitbesiedelung doppelt.

Kurios: in Irland ist die Wildsau schon seit ewigkeiten ausgestorben. Man sagt, das Auftreten der Normannen auf der Irischen Bühne, habe ihnen den Gar ausgemacht. Ob aufgrund des Jagdeifers oder der geänderten landwirtschaftlichen Methoden mit Lebensraumverknappung, darf diskutiert werden.

Da fühlt sich jemand sauwohl.

Da fühlt sich jemand sauwohl.

Na, wenn das nicht hübsch ist!

Na, wenn das nicht hübsch ist!

Was vom Tage übrig blieb

Dienstag

Aber nein, nach Kaffee und Kuchen kann man doch nicht einfach heim fahren. Nicht wenn es noch mehr Steinhaufen zu besichtigen gibt.

Darunter Cahercommaun, ein Ringfort an einer Klippe. Ungewöhnlich sind zwei zusätzliche Mauerringe um den Hauptring und die Lage an der Klippe.

Das Stonefort oberhalb der Klippe.

Das Stonefort oberhalb der Klippe.

Am Stonefort

Am Stonefort

Das Caherconnel Stonefort, dort haben sie eine archäologische Grabungsschule eingerichtet und Studenten können für gut 2.000EUR das Grabungs-Business lernen. Zwei Wochen Vollpension, inklusive Ausflug zu den Cliffs of Moher. Dazwischen schaufeln und Steine schleppen. Der Besucher muss zwar satte 7EUR Eintritt zahlen, aber da es mehr von der Grabungsseite aufgerollt wird ist es dennoch interessant.

Ausgrabungen am Caherconnel Stonefort.

Ausgrabungen am Caherconnel Stonefort.

Das Parknabinnia Wedge Tomb habe ich nur am Morgen kurz vor einem Regenschauer fotografieren können. Bei der Heimfahrt hat es wieder geschüttet und ich bin sang und klanglos weiter gefahren. Erwähnen könnte ich noch, das es sich um Gattung der Keilgräber handelt, welche zu den jüngeren megalithischen Anlagen gehören. Eher 2.200 bis 1.700 v. Chr. gebaut.

Parknabinnia Wedge Tomb

Parknabinnia Wedge Tomb

Dazwischen gab es auch mal etwas buntes zu sehen:

Nicht nur eine Orchidee ...

Nicht nur eine Orchidee …

... sondern ganze Orchideenfelder

… sondern ganze Orchideenfelder

Und weitere botanische Schönheiten.

Und weitere botanische Schönheiten.

Und als ob das noch nicht genug wäre, musste ich von Ballyvaughan (da ist mein B&B) noch 15km nach Kinvara fahren (da sind übrigens die Archäologen-Grabungs-Schüler in der Jugendherberge untergebracht) weil da im Londis-Supermarkt der einzige Bankomat weit und breit zu finden war.

Und wenn ich schon mal in der Ecke bin: dann kann ich ja nochmal bei der Corcomroe-Abbey vorbeischauen. Die kenne ich schon und wollte sie nochmal sehen. Sie liegt am Fuß des Abbeyhills (erste Wanderung von gestern), allerdings auf der meerabgewandten Seite. Dafür konnte ich hier ebenfalls eine fette Trennwand im Kirchenschiff erkennen, die mich in der Abbey Knockmoy am Sonntag noch in Erstaunen gesetzt hatte.

Fette Mauer als Trennung zwischen ordentlichen und Laienbrüdern.

Fette Mauer als Trennung zwischen ordentlichen und Laienbrüdern.

Burren durch eines der Fenster des Chorraumes.

Burren durch eines der Fenster des Chorraumes.

Steinkopf

Steinkopf

Freidhof der Corcomroe Abbey mit Burren im Hintergrund.

Friedhof der Corcomroe Abbey mit Burren im Hintergrund.

Dann ging es aber endgültig zurück.

Wieder Quellen und Kirchenruinen

Dienstag

Jetzt hatte ich die Wahl: noch eine Wanderung oder doch wieder Sightseeing. Ich entschloss mich für einen Kompromiss, verkürzte die zweite Wanderung stark, sagen wir sehr stark so dass ich es eher Spaziergang mit Besichtigungsziel nennen würde.

Noch war es am Regnen, die Fahrt dauerte 10 Minuten. Ich blieb noch weitere 10 Minuten im Auto sitzen und nutzte die Zeit um etwas über mein “Besichtigungsziel” zu lesen.

Noch regnet es, dazu Wind der das Auto wackeln läßt.

Noch regnet es, dazu Wind der das Auto wackeln läßt.

Dann stieg ich aus, reckte meine Nase in die Sonne und alles um mich herum tat so, als ob nichts gewesen wäre. Ein schöner ebener Weg führte über eine Fläche mit Gras und blankem Kalk dazwischen. Es tauchten bald auch ein paar Bäume auf. Dann kam ich an eine 8m hohe Abbruchkante, an deren Felswand die kleine, feine Tobar Chronain zu finden ist. Ein kleines natürliches Wasserbecken, zwei kleine Heiligenstatuen, etwas Kleingeld davor und im Wasser, eine runde Umfassung und ein Grashügel darin, das ist die Quelle. Tobar ist übrigens das irische Wort für Quelle.

Blanker Kalk und Gras.

Blanker Kalk und Gras.

Tobar Chronain (links am Fels)

Tobar Chronain (links am Fels)

Dieser Ort ist toll, ganz fein, und ruhig, entzückend. Der kleine Grashügel in der Umfassung wird zwar bei Pilgerfahrten auch umrundet, aber das erste mal, das diese Station (so nennt man die Stellen wo es etwas auszuführen gibt) eine Einheit mit der Quelle bildet.

Unweit gibt es noch die Reste vom Teampall Chronain. Auch dessen Lage ist idyllisch von einem kleinen Grasrücken geschützt. Das Gebäude fällt auf durch die riesigen Steine, mit der es gamauert ist und ein Steinkopf ist auch noch zu entdecken. Etwas seltsam wirkl nur das zeltartige Gebilde aus Kalksteinplatten. Die Infotafel lässt wissen, das es ein Schrein ist und dort der Gründer, der heilige Cronan, beigesetzt sein soll. Der Kirchenbau stammt aus dem 12. Jh.

Dicke Mauersteine

Dicke Mauersteine

Ein Gesicht kragt aus der Westwand.

Ein Gesicht kragt aus der Westwand.

Der Schrein von Chronain

Der Schrein von Chronain

Irgendwann werden die Wolken wieder dichter und ich gehe zurück. Diesmal komme ich mit einem leichten Schauer davon.

Langsam macht sich Kaffeedurst breit. Dennoch fahre ich erst mal an der Perfumery, bei der ich schon gestern war, vorbei und komme nach drei Minuten zur Quelle des heiligen Fechtan. Das ist das krasse Gegenteil zu der letzten. Auf dem rauhen Kalkstein, durchsetzt mit Gras und Gestrüpp gibt es eine quadratisch gemauerte Struktur, ca. 1,5×1,5m und ähnlich hoch. Oben drauf ein einfaches Holzkreuz aus Ästen. Im Felseboden eine natürliche Vertiefung in der das Wasser steht. Es scheint auch vom Vieh gut frequentiert zu werden, was man an dem zertretenen Terrain erkennen kann.

Die Quelle rechts von der gemauerten Struktur.

Die Quelle rechts von der gemauerten Struktur.

Quelle

Quelle

Drei der Stationen.

Drei der Stationen.

Das was mich aber am ehesten Schlucken läßt, sind sechs bis sieben riesige gemauerte Steinhaufen mit jeweils einer Steintafel obenauf. Eindeutig Stationen die zu umkreisen sind und eher an Kreuzwegstationen erinnern. Auf mich wirkt das ganze eher hart und harsch.

Da sehne ich mich nach einem romantischen Plätzchen – OK zugegeben, vor allem sehen ich mich nach Kaffee und Lemoncake!